Die einen (Schulen, Seminare) gehen in die Herbstferien, die anderen (Unis) nehmen den Betrieb auf. WĂ€hrend der Sommer(ferien)zeit hat meine Bookmarkliste wieder an Volumen gewonnen. Zeit zu scannen. Es sind erneut eine Reihe von Veröffentlichungen entstanden, die sich mit dem Thema Bildung in der digitalen Welt unter verschiedenen Gesichtspunkten beschĂ€ftigen. Online wie Print, #OpenAccess wie #OER. Die Auswahl richtet sich an diejenigen, die sich fĂŒr die Weiterentwicklung von Lernkultur interessieren, insbesondere an:
- Schulleitungen,
- LehrkrÀfte,
- Fachseminare und deren LehrkrÀfte in Vorbereitung (LiV)
- Hochschullehrende und last but not least:
- Bildungspolitiker*innen.
Bei den Edutwitter(campus)tipps auf das blaueÂ
 klicken, um dem Tweet/Thread folgen zu können.
Digitalpakt: Sinn und Zweck erfĂŒllt?
Zurzeit beschĂ€ftigen sich Bundesrechnungshof, Stiftungen und gemeinnĂŒtzige Vereine mit der Umsetzung des Digitalpakts. Anfang des Jahres kam es zum ersten Aufschlag. Durch einen Bericht der Bundesbehörde (ich bin bereits hier darauf eingegangen).Â
Die von der Behörde u. a. geforderte Effizienz(ĂŒber)prĂŒfung ĂŒbernehmen zurzeit gemeinnĂŒtzige Vereine und Stiftungen. Man mag ihnen die Wahrnehmung von Eigeninteressen der mitfinanzierenden Mitglieder vorwerfen. Und doch sind die Studien zu begrĂŒĂen, sofern sie handwerklich âsauber gestricktâ sind. Das scheint mir mit der folgenden Studie der Fall zu sein:
Im Rahmen der Erhebung fĂŒr den E-Government MONITOR 2022 wurden insgesamt 2.453 Eltern mit mindestens einem schulpflichtigen Kind im Haushalt zur Umsetzung von digitalem Unterricht an der Schule ihres Kindes online befragt. Befragte Eltern, die mehr als ein schulpflichtiges Kind im Haushalt hatten, wurden per Zufallsauswahl nur zu einem der Kinder befragt. Somit betreffen die Aussagen jedes befragten Elternteils nur je ein schulpflichtiges Kind. Durch eine gezielte Erhebung in den BundeslĂ€ndern ist es erstmals möglich, den Stand der Umsetzung des DigitalPakt Schule aus Sicht der Eltern in allen 16 BundeslĂ€ndern zu beschreiben und zu vergleichen.
Lena-Sophie MĂŒller (GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Initiative D21) prĂ€sentierte kĂŒrzlich die Studie mit folgenden zusammenfassenden Tweets [1]https://twitter.com/initiatived21/status/1574618565692751872:
- Auch drei Jahre nach Inkrafttreten des #DigitalPakt sehen Eltern in allen 16 BundeslÀndern Nachholbedarf bei der Digitalisierung der Schulen.
- Noch nicht einmal zwei Drittel der Eltern (62 Prozent) geben an, dass ihr Kind einen #Internetzugang an der #Schule hat. In einigen BundeslÀndern sogar nur knapp die HÀlfte.
- Im Unterricht kommen nach Angabe der Eltern vor allem Tablets (74 Prozent) & Smartphones (72 Prozent) zum Einsatz, gefolgt von Desktop-PCs (64 Prozent). Alle #GerĂ€te mit Ausnahme der Smartboards werden ĂŒberwiegend privat zur VerfĂŒgung gestellt.
- In den BundeslÀndern gibt es teils deutliche Unterschiede. Beispielsweise beim auf hÀufigsten verwendeten GerÀt: Tablets.
- 84 % der Eltern nehmen eine oder mehr HĂŒrden fĂŒr die Umsetzung von digitalem Unterricht an der Schule ihres Kindes wahr â entsprechend hoch ist der Anteil, die der Schule attestieren, mit digitalen Unterrichtsmethoden ĂŒberfordert zu sein (42 %).
- LeistungsfĂ€higkeit bei der Vermittlung von #Digitalkompetenzen schwach eingeschĂ€tzt SchĂŒler*innen benötigen digitale Kompetenzen, um sich sicher in der digitalisierten Welt zu bewegen. 45 % der Eltern trauen der Schule ihres Kindes diese Aufgabe derzeit zu.
ZunĂ€chst einmal ist es zu begrĂŒĂen, dass bei den Zielgruppen nachgefragt wird. Und doch erschlieĂt sich mir nicht, warum die Geldgeber (BMBF, BundeslĂ€nder) nicht dafĂŒr gesorgt haben, die Mittelausgabe mit einer Evaluation abzusichern. Ob bzw. inwieweit der Unterricht von den hohen Investitionen profitiert hat. Dazu gehören Lehrende genauso befragt wie Lernende. Mit der GrĂŒndung von Schulen ans Netz e. V. wurde uns durch die Gesellschafterversammlung ein QualitĂ€tsmanagement aufgetragen. Das BMBF hat uns Mitte der 90er-Jahre auferlegt, einen wissenschaftlichen Beirat einzurichten. Zum Evaluationsauftrag gehörte u. a.:
- Der schulische Interneteinsatz in der Nutzersicht (Uni Dortmund)
- Organisatorische Evaluation der InterneteinfĂŒhrung an Schulen (HumboldtuniversitĂ€t Berlin)
- Methoden und Werkzeuge zur Software-ergonomischen Gestaltung und Evaluation Internet-basierter Informations- und Lernangebote (HumboldtuniversitÀt Berlin)
- EffektivitÀtssteigerung durch Online-Dienstleistungen (FU Berlin)
Mir unbegreiflich, warum die Evaluation des Digitalpakts nicht von Anfang an vorgesehen war. Wie kann man das âheilenâ? Solange sich keine Landesbehörde aufgefordert sieht, das zu tun, empfehle ich den Schulen eine Selbstevaluation. Ich habe dazu kĂŒrzlich einen Blogbeitrag geschrieben …
Leitlinienprozess
Nach dem Bericht des Bundesrechnungshofs (s. o.) wird man sich fragen, auf welcher Grundlage Leitlinien zur Digitalisierung im Bildungssystem definiert werden können? Nun, wie so hÀufig in Deutschland: Durch Bildung einer Arbeitsgruppe (aka Netzwerk) [2]https://www.netzwerk-bildung-digital.de/aktivitaeten-2022/leitlinienprozess/:
Aufbauend auf dem bereichsĂŒbergreifenden Austausch im ersten Projektjahr wurden im FrĂŒhjahr 2022 gemeinsam mit dem Partnernetzwerk und in der Diskussion mit Expert:innen und Praktiker:innen aus allen Bildungsbereichen, Leitlinien zur Weiterentwicklung der digitalen Bildung in Deutschland erarbeitet.
Erste Reaktionen zeigen eine deutliche ErnĂŒchterung in der wissenschaftlichen Szene:
https://twitter.com/EThuemler/status/1572168735674478592?s=20&t=L3DhaaPXjtIEwGV-UvDwDg
https://twitter.com/mediendidaktik_/status/1574727968697597955?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1574727968697597955%7Ctwgr%5E036e0e1d7c336e432c51cff6a6a232330ef6c6b2%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192
https://twitter.com/lueckenbildung/status/1572265931396550657?s=20&t=L3DhaaPXjtIEwGV-UvDwDg
So viel zu den Studien und Reaktionen zur Umsetzung des Digitalpakts. Nicht noch ganz:
Aufruf: Bildung #mitgedacht. Jetzt.
Mit der Initiative wollen die Initiator*innen einerseits zum Mitdenken einladen und andererseits auch entgegen der klassischen Bewegungen und Positionspapiere einen partizipativen Raum eröffnen, der zum medialen Diskurs und Austausch einlĂ€dt. Wir ermutigen alle Stakeholder, sich konstruktiv an der Debatte ĂŒber die Zukunft der Bildung zu beteiligen. Hier schon einmal einige Beispiele aus der Edutwitterszene:
Apropos Edutwitterszene. Wie angekĂŒndigt eine Auswahl von Tweets, Links, …Â
Podcast
https://twitter.com/wisniewski1005/status/1575016495184113664?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1575016495184113664%7Ctwgr%5Ea6986daf2edec8aa7b9539e56b001f0423ae5045%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192et_fb%3D1PageSpeed%3Doff
https://twitter.com/wisniewski1005/status/1577242309871034368?s=20&t=FCT4LbQ9dOgS1PnwQv7-rA
https://twitter.com/wisniewski1005/status/1580146809888198656
Wie wirken sich #Hervorhebungen in Lernmaterialien auf #Lernerfolg und #Motivation von SchĂŒlerInnen aus? Mehr dazu in der neuen @chu_tum Podcast-Folge! https://t.co/vTs1Nw4BMx. #twlz #Bildungsforschung #Podcast #newpodcast pic.twitter.com/kBhLhuyKAA
— Clearing House Unterricht (@chu_tum) August 10, 2022
https://twitter.com/dipf_aktuell/status/1544931822001438721
Videocast
Wir brauchen individuelle Lernstandsmessungen und passgenaue Förderung, sagt @KlausHurrelmann (@thehertieschool, @FiBS_Research). Warum das wichtig ist und wie sich #Schule verÀndern muss, erzÀhlt er im Video. Mehr Infos: https://t.co/PLIYVKHA7L #Potenzialeentfalten #twlz pic.twitter.com/3ytSptRltC
— Cornelsen (@cornelsenverlag) August 10, 2022
Didaktik - Methodik
PĂŒnktlich zum Einsatz auf der Tagung dĂŒrfen wir auch verkĂŒnden, dass unser brandneues Modul online ist und jetzt im Dashboard gefunden werden kann: https://t.co/eOQ0r7mfhM! Viel Spass beim Ausprobieren! #twittercampus #twlz #mintedu pic.twitter.com/udN0niPvps
— Toolbox Lehrerbildung (@Toolbox_TUM) September 13, 2022
https://twitter.com/AnsgarHeskamp/status/1563270141903011841?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1563270141903011841%7Ctwgr%5Efb05035e5d28a06d3e1d50cbd53db0ca9366b3af%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192et_fb%3D1PageSpeed%3Doff
https://twitter.com/Lehrer_innen/status/1552641597136945153?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1552641597136945153%7Ctwgr%5E18461916b09d423d40a27fbfc1c7d5518f0aee3a%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192et_fb%3D1PageSpeed%3Doff
Sammlung
Publikationen
Warum das eigene Erfahrungswissen von Lehrer*innen hĂ€ufig ĂŒberbewertet wird und wie es dennoch gelingen kann, dieses Wissen als eine relevante Facette von Professionswissen von LuL zu verstehen, kann man ab jetzt hier nachlesen đ€âĄïž DOI: 10.5282/edoc.30254 https://t.co/wR3Tfo9uau pic.twitter.com/cimRtz11Tk
— âźïž đłïžâđUlrike Franke (@franke_uli) August 8, 2022
Auf dem wbv BĂŒchertisch beim @SymposionDD & #OpenAccess: Das unvergleichliche #Abitur – empirische Analysen, Entwicklungen und Herausforderungen
đhttps://t.co/sORcGJTf81Deutsch-Programm bei wbv đ https://t.co/bkGZYjdwRP@bpb_de #Deutschdidaktik #fddeutsch #twlz @DPhV pic.twitter.com/HE9DshLA64
— wbv Publikation (@wbv_de) September 19, 2022
https://twitter.com/Felix_Felixson/status/1579420511507218435
https://twitter.com/danvers/status/1574661684836405248?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1574661684836405248%7Ctwgr%5Ed68ffc92c42f5bd23048a295afd0ca7cf623a3d5%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192et_fb%3D1PageSpeed%3Doff
https://twitter.com/GMWOnline/status/1569247843365396480?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1569247843365396480%7Ctwgr%5E7e595a9723d96b5b7bed8e8be8f573cd67c1c069%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192et_fb%3D1PageSpeed%3Doff
Studien
https://twitter.com/MarkRackles/status/1564170328431071233?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1564170328431071233%7Ctwgr%5E4763839d25d8db614d879319d699a4d0c9018e4a%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.bildung-in-der-digitalen-welt.de%2F%3Fp%3D4192et_fb%3D1PageSpeed%3Doff
Interessante Studie der Uni Hildesheim zur Umsetzung des DigitalPakts an Schulen, mit Perspektiven der schulischen Praxis auf zentrale Steuerungsfragen und -herausforderungen sowie Empfehlungen (Mai 2022) https://t.co/SDPYlJN3L9 #twlz #digitalpakt pic.twitter.com/g0TVy6YNWn
— Micha Pallesche (@MichaPallesche) August 5, 2022
https://twitter.com/mkerres/status/1580793197978324992
Schlussbemerkung
Das wĂ€râs fĂŒr heute. Fast jedenfalls. Hier noch zwei Tipps von @joschafalck:
- Die aktuelle Ausgabe der GEW Zeitschrift Erziehung & Wissenschaft: Medienkompetenz
- Der N[EW]sletter von der FakultĂ€t fĂŒr Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg (@unihh) mit dem Titel âForschungsperspektiven der Erziehungswissenschaftâ )Â
Dieser Newsletter passt im Mindset wunderbar zur Anlage dieser Webseite bildung digital:
Der N[EW]sletter âForschungsperspektiven der Erziehungswissenschaftâ richtet sich an Interessierte aus den unterschiedlichen Bereichen der Bildungspraxis wie Schule, auĂerschulische Bildung, Berufsbildung und Erwachsenenbildung sowie an Akteur:innen aus Bildungsadministration und -politik. In vier Ausgaben pro Jahr informieren wir, die FakultĂ€t fĂŒr Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg, ĂŒber aktuelle Forschungsthemen und Projekte, ĂŒber Forschungsergebnisse, Materialien und NĂŒtzliches fĂŒr die Praxis und ĂŒber interessante Veranstaltungen und Kooperationen. Und: Wir beantworten Ihre Fragen an die Erziehungswissenschaft â mehr dazu im N[EW]sletter.
Mit diesem Blogbeitrag wĂŒnsche ich den- und diejenigen unter Ihnen, die sich auf eine bevorstehende Herbst(ferien)zeit freuen dĂŒrfen, geeignete Ablenkung und Entspannung und ansonsten: Viel SpaĂ beim Vermehren der gewonnenen Einsichten …
… Stay tuned âŠ
Titelbild:
Herbstbild: Larisa Koshkina @pixabay